Jede erfolgreiche Solarplanung beginnt mit einer gründlichen Analyse des Stromverbrauchs. Ohne ein klares Bild davon, wie viel Strom Sie verbrauchen, wann Sie ihn verbrauchen und wofür Sie ihn verbrauchen, ist eine optimale Anlagendimensionierung nicht möglich. Die Verbrauchsanalyse liefert die Datengrundlage, auf der alle weiteren Planungsentscheidungen aufbauen, von der Anlagengrösse über die Frage nach einem Batteriespeicher bis hin zur wirtschaftlichen Prognose. Investieren Sie die Zeit in eine sorgfältige Analyse, denn sie zahlt sich über die gesamte Lebensdauer Ihrer Anlage aus.
Warum die Verbrauchsanalyse so wichtig ist
Viele angehende Solaranlagen-Besitzer unterschätzen die Bedeutung der Verbrauchsanalyse und verlassen sich auf grobe Schätzungen oder Durchschnittswerte. Das ist verständlich, denn Durchschnittswerte sind leicht verfügbar und scheinen eine schnelle Orientierung zu bieten. Doch der Teufel steckt im Detail: Zwei Haushalte mit dem gleichen Jahresverbrauch können völlig unterschiedliche Verbrauchsprofile haben, was zu völlig unterschiedlichen optimalen Anlagenkonfigurationen führt.
Ein Haushalt, in dem tagsüber gekocht, gewaschen und gearbeitet wird, hat einen hohen Tagesverbrauch und kann einen grossen Teil des Solarstroms direkt nutzen. Ein Haushalt, in dem alle Bewohner tagsüber ausser Haus sind, verbraucht den meisten Strom am Morgen und am Abend, wenn die Solaranlage wenig oder keinen Strom produziert. Für den zweiten Haushalt ist ein Batteriespeicher deutlich wertvoller als für den ersten, und auch die optimale Anlagengrösse kann sich unterscheiden.
Die Verbrauchsanalyse beantwortet drei zentrale Fragen, die für die Solarplanung entscheidend sind. Erstens: Wie viel Strom verbrauchen Sie insgesamt pro Jahr? Diese Zahl bestimmt die Grunddimensionierung der Anlage. Zweitens: Wann verbrauchen Sie den Strom? Das zeitliche Verbrauchsprofil bestimmt den erreichbaren Eigenverbrauchsanteil und die Sinnhaftigkeit eines Speichers. Drittens: Wofür verbrauchen Sie den Strom? Die Aufteilung auf verschiedene Verbraucher zeigt Optimierungspotenziale und hilft bei der Planung von Lastverschiebungen.
Schritt 1: Jahresverbrauch ermitteln
Der erste und einfachste Schritt ist die Ermittlung des Jahresverbrauchs. Sammeln Sie die Stromrechnungen der letzten drei Jahre und notieren Sie die jährlichen Verbrauchswerte. Drei Jahre sind wichtig, um Schwankungen auszugleichen und einen repräsentativen Durchschnitt zu erhalten. Ein besonders heisser Sommer mit viel Klimaanlage oder ein besonders kalter Winter mit elektrischen Zusatzheizungen kann den Verbrauch eines einzelnen Jahres stark verzerren.
Berechnen Sie den Durchschnitt der letzten drei Jahre. Wenn Ihr Verbrauch in den letzten Jahren deutlich gestiegen oder gesunken ist, analysieren Sie die Ursachen. Ein steigender Trend kann auf neue Geräte, veränderte Lebensgewohnheiten oder einen wachsenden Haushalt hindeuten. Ein sinkender Trend kann das Ergebnis von Energiesparmassnahmen oder dem Auszug von Familienmitgliedern sein. Berücksichtigen Sie diese Trends bei der Prognose des zukünftigen Verbrauchs.
Wenn Sie keine Stromrechnungen zur Hand haben, können Sie den Verbrauch auch über den Stromzähler ermitteln. Lesen Sie den Zählerstand ab und vergleichen Sie ihn mit dem Stand vor einem Jahr. Alternativ können Sie Ihren Energieversorger kontaktieren, der Ihnen die Verbrauchsdaten der vergangenen Jahre zur Verfügung stellen kann. Viele Energieversorger bieten inzwischen Online-Portale an, über die Sie Ihre Verbrauchsdaten einsehen und herunterladen können.
Schritt 2: Verbrauchsprofil erstellen
Der Jahresverbrauch allein reicht für eine optimale Solarplanung nicht aus. Um den erreichbaren Eigenverbrauch zu berechnen, müssen Sie wissen, wie sich Ihr Verbrauch über den Tag und über das Jahr verteilt. Dieses zeitliche Verbrauchsprofil ist entscheidend für die Frage, wie viel des produzierten Solarstroms Sie direkt nutzen können und ob sich ein Batteriespeicher für Sie lohnt.
Wenn Sie einen Smart Meter haben, können Sie Ihr Verbrauchsprofil direkt aus den Messdaten ablesen. Smart Meter zeichnen den Verbrauch in Intervallen von 15 Minuten auf und liefern damit ein sehr detailliertes Bild Ihres Verbrauchsverhaltens. Fragen Sie Ihren Energieversorger, ob er Ihnen die Smart-Meter-Daten zur Verfügung stellen kann. In der Schweiz haben immer mehr Haushalte Smart Meter, und bis 2027 sollen alle Haushalte damit ausgestattet sein.
Wenn Sie keinen Smart Meter haben, können Sie Ihr Verbrauchsprofil mit einem Energiemonitor oder einem Messsteckdosen-Set selbst ermitteln. Alternativ können Sie ein Standardlastprofil verwenden, das auf statistischen Durchschnittswerten für Ihren Haushaltstyp basiert. Diese Standardprofile sind weniger genau als individuelle Messungen, liefern aber eine brauchbare Näherung für die Erstplanung.
Smart Meter nutzen
Wenn Ihr Haushalt bereits einen Smart Meter hat, fordern Sie die Viertelstundenwerte bei Ihrem Energieversorger an. Diese Daten sind Gold wert für die Solarplanung, denn sie zeigen exakt, wann Sie wie viel Strom verbrauchen und ermöglichen eine präzise Simulation des Eigenverbrauchs.
Schritt 3: Verbraucher identifizieren
Analysieren Sie, welche Geräte und Anwendungen wie viel Strom verbrauchen. Diese Aufteilung hilft nicht nur bei der Solarplanung, sondern deckt oft auch Einsparpotenziale auf. Die grössten Stromverbraucher in einem typischen Schweizer Haushalt sind in der Regel der Elektroherd und Backofen, die Waschmaschine und der Tumbler, der Kühl- und Gefrierschrank, die Beleuchtung, die Warmwasseraufbereitung und Unterhaltungselektronik wie Fernseher, Computer und Spielkonsolen.
Besonders relevant für die Solarplanung sind Verbraucher, deren Betriebszeiten flexibel sind. Waschmaschine, Geschirrspüler und Tumbler können beispielsweise gezielt dann betrieben werden, wenn die Solaranlage Strom produziert. Diese Lastverschiebung ist eine einfache und kostenlose Möglichkeit, den Eigenverbrauch zu erhöhen, ohne einen teuren Batteriespeicher zu installieren. Moderne Geräte mit Startzeitvorwahl machen es besonders einfach, den Betrieb in die Sonnenstunden zu legen.
Identifizieren Sie auch den Grundlastverbrauch Ihres Haushalts, also den Strom, der rund um die Uhr benötigt wird. Dazu gehören Kühlschrank, Gefrierschrank, Router, Standby-Verbrauch und andere dauerhaft laufende Geräte. Der Grundlastverbrauch liegt typischerweise bei 200 bis 500 Watt und ist für den Eigenverbrauch besonders wertvoll, da er auch den Solarstrom am Morgen und am Abend aufnehmen kann, wenn die Produktion gering ist.
Schritt 4: Zukünftige Veränderungen berücksichtigen
Eine Solaranlage ist eine langfristige Investition mit einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren. In diesem Zeitraum wird sich Ihr Stromverbrauch mit hoher Wahrscheinlichkeit verändern. Berücksichtigen Sie geplante Veränderungen bereits jetzt in Ihrer Analyse, um die Anlage zukunftssicher zu dimensionieren und kostspielige nachträgliche Erweiterungen zu vermeiden.
Die wichtigsten Faktoren, die Ihren zukünftigen Verbrauch beeinflussen können, sind die Elektromobilität, die Heizungstechnik und die allgemeine Elektrifizierung des Haushalts. Ein Elektroauto erhöht den Stromverbrauch um typischerweise 2'000 bis 3'500 kWh pro Jahr, je nach Fahrleistung und Fahrzeuggrösse. Eine Wärmepumpe kann den Verbrauch um 3'000 bis 8'000 kWh steigern, reduziert aber gleichzeitig die Heizkosten für Öl oder Gas erheblich. Auch die zunehmende Digitalisierung und der Trend zu mehr elektrischen Geräten im Haushalt führen tendenziell zu einem steigenden Stromverbrauch.
Denken Sie auch an familiäre Veränderungen: Kinder, die ausziehen, reduzieren den Verbrauch. Kinder, die heranwachsen und eigene Geräte nutzen, erhöhen ihn. Ein Homeoffice steigert den Tagesverbrauch, was für die Solarnutzung sogar vorteilhaft ist. Die Vermietung einer Einliegerwohnung kann den Verbrauch deutlich erhöhen und eröffnet möglicherweise die Option eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch. Versuchen Sie, alle vorhersehbaren Entwicklungen in Ihre Analyse einzubeziehen und planen Sie einen angemessenen Puffer für unvorhergesehene Veränderungen ein.
Schritt 5: Daten aufbereiten und Schlüsse ziehen
Wenn Sie alle Daten gesammelt haben, fassen Sie diese in einer übersichtlichen Analyse zusammen. Stellen Sie den Jahresverbrauch, das Verbrauchsprofil, die Verbraucheraufteilung und die prognostizierten Veränderungen zusammen. Diese Analyse ist das Briefing für Ihren Solarplaner und bildet die Grundlage für die Anlagendimensionierung.
Aus der Verbrauchsanalyse lassen sich bereits erste Schlüsse für die Solarplanung ziehen. Wenn Ihr Tagesverbrauch hoch ist, können Sie auch ohne Speicher einen hohen Eigenverbrauch erzielen. Wenn Ihr Verbrauch hauptsächlich am Abend und in der Nacht stattfindet, ist ein Batteriespeicher besonders sinnvoll. Wenn Sie flexible Verbraucher haben, können Sie durch Lastverschiebung den Eigenverbrauch kostengünstig erhöhen, bevor Sie in einen teuren Speicher investieren.
Die Verbrauchsanalyse ist keine einmalige Aufgabe, sondern sollte nach der Installation der Solaranlage regelmässig aktualisiert werden. Die meisten modernen Solaranlagen verfügen über ein Monitoring-System, das nicht nur die Produktion, sondern auch den Verbrauch und den Eigenverbrauch in Echtzeit aufzeichnet. Nutzen Sie diese Daten, um Ihr Verbrauchsverhalten zu optimieren und den Eigenverbrauch kontinuierlich zu verbessern. Kleine Anpassungen im Alltag können über die Jahre zu erheblichen Einsparungen führen.
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