Wer ein neues Haus baut, hat die einmalige Gelegenheit, die Solaranlage von Anfang an in die Gesamtplanung zu integrieren. Im Gegensatz zur Nachruestung bei bestehenden Gebaeuden können beim Neubau alle Aspekte optimal aufeinander abgestimmt werden: die Dachausrichtung und -neigung, die elektrische Infrastruktur, die Leitungsfuehrung und die Integration mit Wärmepumpe und Ladestation. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die Solaranlage beim Neubau richtig planen und welche Vorteile die frühe Integration bietet.
Die frühe Integration bietet auch erhebliche planerische Vorteile. Wenn die Solaranlage von Anfang an berücksichtigt wird, können Dachausrichtung und -neigung optimiert, Kamine und Dachaufbauten so platziert werden, dass sie keine Verschattung verursachen, und die Unterkonstruktion bereits in die Dachkonstruktion integriert werden. Bei integrierten Lösungen wie Solardachziegeln oder Indachsystemen entfallen sogar die Kosten für eine separate Dacheindeckung in den belegten Bereichen, was die Wirtschaftlichkeit weiter verbessert.
Optimale Dachplanung für Solar
Beim Neubau haben Sie die Möglichkeit, das Dach von Anfang an für die Solarnutzung zu optimieren. Die ideale Dachausrichtung liegt in der Schweiz bei Sueden mit einer Neigung von 30 bis 35 Grad. Wenn das Grundstueck oder baurechtliche Vorgaben eine andere Ausrichtung erfordern, ist dies keineswegs ein Hindernis für eine wirtschaftliche Solaranlage. Ost-West-Dächer haben den Vorteil einer gleichmaessigeren Produktion über den Tag und ermoglichen die Nutzung beider Dachhaelften, was die Gesamtflaeche erhoeht.
Planen Sie die Dachfläche möglichst gross und frei von Hindernissen. Jeder Kamin, jedes Dachfenster und jede Gaube reduziert die nutzbare Flaeche und kann Verschattung verursachen. Wenn möglich, platzieren Sie Kamine und Entlueftungen am Nordrand des Dachs, wo sie keine Schatten auf die Module werfen. Dachfenster können an der Nordseite oder seitlich angeordnet werden. Die Dachstatik sollte von Anfang an für das zusätzliche Gewicht der Solarmodule ausgelegt werden, wobei die Flaechenlast bei Standardmodulen nur etwa 12 bis 15 Kilogramm pro Quadratmeter betraegt.
Bei Flachdächern ist die Planung noch flexibler, da die Module aufgestaendert und optimal ausgerichtet werden können. Beachten Sie bei der Planung die Abstaende zwischen den Modulreihen, um gegenseitige Verschattung zu vermeiden. Der erforderliche Abstand haengt von der Aufständerungshoehe und dem Breitengrad ab. Ihr Solarplaner kann die optimale Konfiguration berechnen und die maximale Belegung ermitteln. Reservieren Sie genuegend Dachfläche für die Solaranlage und berücksichtigen Sie auch zukuenftige Erweiterungsmöglichkeiten.
Elektrische Infrastruktur beim Neubau
Die elektrische Infrastruktur ist ein Bereich, in dem der Neubau erhebliche Vorteile gegenüber der Nachruestung bietet. Im Rohbau können alle Leitungen und Leerrohre kostenguenstig verlegt werden, während bei einem bestehenden Gebaeude aufwaendige Stemm- und Verlegearbeiten erforderlich sind. Planen Sie grosszuegig, denn die Grenzkosten für ein zusätzliches Leerrohr oder ein dickeres Kabel sind minimal im Rahmen eines Neubaus.
Sehen Sie einen separaten Zaehlerplatz für die Solaranlage vor und reservieren Sie genuegend Platz im Zaehlerkasten für alle erforderlichen Schutzeinrichtungen. Verlegen Sie Leerrohre vom Dach zum Technikraum mit ausreichendem Durchmesser für die DC-Kabel der Solaranlage. Planen Sie auch Leerrohre für eine spätere Wallbox-Installation in der Garage und für die Anbindung eines Batteriespeichers. Die Kosten für diese Vorbereitungen betragen im Rahmen eines Neubaus nur wenige hundert Franken, können aber bei einer späteren Nachruestung tausende Franken sparen.
Die Smart-Home-Infrastruktur sollte die Integration der Solaranlage von Anfang an berücksichtigen. Moderne Energiemanagement-Systeme können die Solarproduktion, den Speicher, die Wärmepumpe und die Wallbox zentral steuern. Stellen Sie sicher, dass die Netzwerkinfrastruktur für die Kommunikation zwischen den verschiedenen Systemen vorhanden ist. Viele Wechselrichter kommunizieren über WLAN oder Ethernet, und die Anbindung an das Smart-Home-System erfordert eine stabile Netzwerkverbindung im Technikraum und an den relevanten Installationsorten.
Gebaeudeintegrierte Photovoltaik (BIPV)
Beim Neubau haben Sie die Möglichkeit, gebaeudeintegrierte Photovoltaik-Lösungen einzusetzen, die nicht nur Strom produzieren, sondern auch Gebaeudefunktionen übernehmen. Solardachziegel ersetzen konventionelle Dachziegel und integrieren sich optisch nahtlos ins Dachbild. Solarfassadenelemente können an der Gebaeudehuoelle angebracht werden und zusätzliche Produktionsflaeche erschliessen, insbesondere an der Suedseite.
Die Kosten für BIPV-Lösungen sind höher als für konventionelle Aufdachanlagen, aber ein Teil der Mehrkosten wird durch die eingesparten Kosten für die konventionelle Dacheindeckung oder Fassadenverkleidung kompensiert. In der Nettokostenbetrachtung kann BIPV daher durchaus wirtschaftlich sein, insbesondere bei hochwertigen Gebaeuden, bei denen die Aesthetik eine wichtige Rolle spielt. Die Kombination von funktionaler Energieproduktion und ansprechendem Design ist ein wachsender Trend in der modernen Architektur.
Architekten können BIPV-Elemente als gestalterisches Element einsetzen und Gebaeude schaffen, die sowohl aesthetisch ansprechend als auch energetisch hocheffizient sind. Die verfügbaren Farben und Formate von BIPV-Elementen haben sich in den letzten Jahren stark erweitert, sodass kreative architektonische Lösungen möglich sind. Lassen Sie sich frühzeitig von einem Architekten mit BIPV-Erfahrung beraten, um die Möglichkeiten für Ihr Projekt auszuloten.
Integration mit Wärmepumpe und Gesamtenergiekonzept
Beim Neubau wird heute fast ausschliesslich mit Wärmepumpe geheizt, was eine hervorragende Synergie mit der Solaranlage bietet. Die Wärmepumpe verbraucht einen erheblichen Teil des Haushaltsstroms und kann als flexibler Verbraucher genutzt werden, um überschuessigen Solarstrom aufzunehmen. Durch die Vorheizung des Gebaeudes während der Sonnenstunden kann die thermische Masse des Hauses als kostenloser Wärmespeicher genutzt werden und den Eigenverbrauch steigern.
Das Gesamtenergiekonzept sollte alle Komponenten aufeinander abstimmen: die Solaranlage, die Wärmepumpe, den Warmwasserspeicher, den Batteriespeicher und die kontrollierte Wohnraumlueftung. Eine ganzheitliche Planung fuehrt zu einem deutlich besseren Ergebnis als die separate Optimierung der einzelnen Systeme. Ein erfahrener Energieplaner kann die optimale Konfiguration berechnen und die verschiedenen Systeme so dimensionieren, dass sie sich optimal ergaenzen.
Die Anforderungen an den Minergie-Standard oder andere Energielabels können durch die Integration einer Solaranlage leichter erfuellt werden. Die Eigenstromerzeugung verbessert die Energiebilanz des Gebaeudes erheblich und kann dazu beitragen, höhere Energiestandards zu erreichen, die wiederum den Wert der Immobilie steigern und zu guenstigeren Finanzierungskonditionen fuehren können. Besprechen Sie die Möglichkeiten mit Ihrem Architekten und Energieplaner, um die optimale Lösung für Ihr Neubauprojekt zu finden.
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